Im falschen Film

Bild: HO-Photo / REUTERS
Als Kulturkorrespondentin einer respektablen Schweizer Zeitung sieht man sich nicht unbedingt im Visier des US-Geheimdiensts. Was also haben die Herren im Anzug vor unserer Tür verloren?
Neulich klingelte es an der Haustür; aus der Gegensprechanlage kam nur ein Rauschen. Da Fedex rund um die Uhr den regen Online-Konsum meiner Nachbarn bedient, habe ich auf den Buzzer gedrückt. Kurz darauf klopfte es oben an meiner Wohnungstür. Nun macht man in New York nicht einfach die Türe auf, schon gar nicht, wenn man als Frau allein zu Hause zwei Männer durch den Spion fixiert. Diese Anzug-Herren sahen freilich nicht aus, als führten sie Böses im Schilde, mehr wie die Zeugen Jehovas, die in Brooklyn Heights, wo sie bis vor kurzem ihr Hauptquartier hatten, zuweilen noch auf Bekehrungstour sind. Doch hatten diese zwei keine Broschüren zur Hand, sondern klappten mit jener professionell konzertierten Bewegung, die man aus dem Fernsehen kennt, ihre Ausweise auf und riefen im Chor: «FBI!» […]
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Andrea Köhler wurde in Bad Pyrmont geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Philosophie in Braunschweig und Freiburg im Breisgau begann sie 1984 als freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Literaturkritik. Von 1991 bis 1994 arbeitete sie als Kulturkorrespondentin in Paris. Seit 1995 Mitglied der NZZ-Feuilleton-Redaktion, zunächst mit Zuständigkeit für die deutschsprachige Literatur; von 2001 bis 2018 lebte sie als Kulturkorrespondentin für die NZZ in New York. Im Jahr 2000 war sie Visiting Professor an der Washington University of St. Louis. 2003 erste Preisträgerin des Berliner Preises für Literaturkritik. 2004 Max Kade Fellowship und 2017 Fellowship der Bogliasco Foundation in Italien.