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Und immer wieder Dopamin

Bild: Toby Melville / Reuters

Erst vor knapp zehn Jahren wurde das iPhone in den Markt eingeführt. Inzwischen glauben die meisten, ohne Smartphone nicht mehr existieren zu können.

Heiligabend: Für einmal verebbt die Online-Flut. Nur Open Table («Finish your Holiday shopping»), Amazon («10 Dollar off and FREE 2 hour delivery until Christmas Eve») sowie Area-Yoga mit seinem «Holiday Schedule» geben nicht auf. Nun ja, die «New York Times» empfiehlt «The perfect gift», und – es gibt kein Entkommen – Amazon offeriert «die letzte Gelegenheit», ein freies Kindle-Buch herunterzuladen. Ein paar späte Weihnachtsgrüsse. Machen wir hier einmal Schluss und gestehen ein, dass wir es irgendwann aufgegeben haben, die Mail-Schwemme zu meistern. Mein Postfach zählt zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen – sporadischer Löschaktionen ungeachtet – 13’167 Mails. Das ist allein mein privates E-Mail-Konto – das geschäftliche lassen wir hier einmal beiseite.

Es geht alles so schnell. Von einem Tag auf den anderen meinen wir, nicht mehr auf etwas verzichten zu können, von dem wir gestern noch nicht einmal wussten, dass es je existieren würde. Als ich in den neunziger Jahren zum ersten Mal auf eine griechische Insel kam, gab es dort ein einziges öffentliches Telefon. Es hing in einem Verschlag und funktionierte aus unerfindlichen Gründen nur nachmittags zwischen vier und fünf. Wenn man Glück hatte und eine Verbindung zustande kam, klang aus dem Hörer wie aus einer Muschel das Rauschen des Meeres. Unauslöschlich hallt mir in diesem Meeresrauschen die Stimme meines Vaters nach, der bei einem solchen Anruf – noch nicht lange von einem Herzinfarkt auferstanden – wie aus dem Jenseits sprach. Er klang verletzbar und einsam und war mir vielleicht nie mehr so nah. […]

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